Offener Brief zur Weltklimakonferenz

 

In einem offenen Brief an die Regierungen auf der Weltklimakonferenz fordern ADFC, der Dachverband European Cyclists’ Federation (ECF) und weitere Organisationen eine erhebliche Steigerung des Radverkehrs als zentrale Strategie für mehr Klimaschutz.

 

ADFC, ECF und 350 weitere Organisationen fordern eine erhebliche Steigerung des Radverkehrs als zentrale Strategie für mehr Klimaschutz.
ADFC, ECF und 350 weitere Organisationen fordern eine erhebliche Steigerung des Radverkehrs als zentrale Strategie für mehr Klimaschutz. © ECF

Brief an die Regierungen auf der COP26:

Die Staats- und Regierungschefs der Welt müssen sich dazu verpflichten, das Radverkehrsniveau zu erhöhen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und die globalen Klimaziele schnell und effektiv zu erreichen.
 

Die Welt braucht viel mehr Radfahren, wenn wir den Klimawandel bekämpfen wollen. Ohne schnellere und entschlossenere Maßnahmen der Regierungen weltweit, um die CO2-Emissionen im Verkehr zu reduzieren, werden wir gegenwärtige und zukünftige Generationen in eine Welt verdammen, die feindlicher und viel weniger bewohnbar ist.
 

Aus diesem Grund appellieren wir, die unterzeichnenden 350 Organisationen, nachdrücklich an alle Regierungen und führenden Persönlichkeiten, die an der 26. Die Regierungen können dies tun, indem sie eine hochwertigere Fahrradinfrastruktur aufbauen, das Radfahren in den öffentlichen Verkehr integrieren, die Straßenverkehrssicherheit verbessern und Maßnahmen umsetzen, die Menschen und Unternehmen ermutigen, Autofahrten durch Fahrradfahrten und andere Verkehrsmittel wie zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ersetzen. Die Förderung und Ermöglichung aktiver Mobilität muss ein Eckpfeiler globaler, nationaler und lokaler Strategien sein, um die Netto-Null-Kohlenstoff-Ziele zu erreichen.
 

Weltweit ist der Verkehr für 24 % der direkten CO₂-Emissionen aus der Kraftstoffverbrennung verantwortlich. Straßenfahrzeuge machen fast drei Viertel der CO₂-Emissionen des Verkehrs aus, und diese Zahlen nehmen nicht ab. Abgesehen von den unhaltbaren CO₂-Emissionen, die das Klima der Erde ruinieren, verschmutzen Straßenfahrzeuge unsere Luft in einem noch nie dagewesenen Ausmaß und kommen jedes Jahr weltweit schätzungsweise sieben Millionen Menschen ums Leben.
 

Der Sonderbericht „Globale Erwärmung von 1,5 °C“ des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) hat das Radfahren als einen Weg identifiziert, um eine sichere und nachhaltige Welt für alle jetzt und in Zukunft zu gewährleisten. Die Fahrradnutzung verursacht keine Emissionen und das Radfahren hat weitreichende positive sozioökonomische Auswirkungen neben einer geringeren Umweltverschmutzung.
 

Radfahren ist eine der größten Hoffnungen der Menschheit auf einen Wandel hin zu einer kohlenstofffreien Zukunft. Neue Untersuchungen zeigen, dass die CO₂-Emissionen im Lebenszyklus pro zusätzlicher Fahrradtour um 14 % und pro vermiedener Autofahrt um 62 % sinken. Der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad spart 150 g CO₂ pro Kilometer. E-Cargo-Bikes reduzieren die CO2-Emissionen im Vergleich zu Diesel-Vans um 90 %. Wenn Sie das Auto in Städten auch nur an einem Tag in der Woche zum Gehen und Radfahren austauschen, können Sie Ihren CO2-Fußabdruck im Laufe eines Jahres um etwa eine halbe Tonne CO₂ reduzieren. Der Aufbau von Synergien mit anderen Verkehrsträgern wie dem öffentlichen Verkehr kann dieses Potenzial entscheidend erhöhen.
 

Unsere Welt brennt. Wir müssen dringend die Lösungen nutzen, die das Radfahren bietet, indem wir seine Nutzung radikal ausweiten. Was wir jetzt brauchen, ist, dass sich die Regierungen politisch und finanziell zu mehr, sichererem und integriertem Radfahren verpflichten, das für alle, die in unseren Ländern, Städten und Regionen leben, gerecht wird. Wir fordern alle Regierungen und Führer auf der COP26 auf:
 

Verpflichten Sie sich, das Radfahren zu Hause deutlich zu steigern.
Dies kann erfolgen durch:
 

  • Förderung des Radfahrens in all seinen Formen, einschließlich Radtourismus, Sportradfahren, Bikesharing, Fahrten zur Arbeit oder Schule und zum Sport
     
  • Radverkehr als Klimalösung anerkennen und einen klaren Zusammenhang herstellen zwischen der Reduzierung der CO₂-Emissionen durch eine Zunahme der Fahrradfahrten und eine Verringerung der privaten Pkw-Fahrten
     
  • Erstellung und Finanzierung nationaler Radverkehrsstrategien und Erhebung von Daten zum Radverkehr, um zu wissen, wo Verbesserungen der Infrastruktur und Nutzung vorgenommen werden können
     
  • Fokussierung der Investitionen auf den Aufbau einer sicheren und hochwertigen Radverkehrsinfrastruktur und auf Anreize für Gemeinden, die historisch vom Radverkehr marginalisiert wurden
     
  • Direkte Anreize für Menschen und Unternehmen bieten, für mehr tägliche Fahrten vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen
     
  • Aufbau von Synergien mit dem öffentlichen Verkehr und Förderung kombinierter Mobilitätslösungen für ein multimodales Ökosystem, das alle Nutzerbedürfnisse abdecken kann, ohne auf ein privates Auto angewiesen zu sein
     
  • Verpflichten Sie sich gemeinsam, ein globales Ziel eines höheren Radverkehrsniveaus zu erreichen. Mehr Radfahren in einer Handvoll Länder wird nicht ausreichen, um den weltweiten CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Alle Länder müssen ihren Beitrag leisten, und diese Bemühungen müssen auf UN-Ebene verfolgt werden.

Ohne deutlich mehr Radverkehr ist für Regierungen kein Weg vorstellbar, den CO₂-Ausstoß schnell genug zu reduzieren, um das Schlimmste der Klimakrise zu vermeiden. Radfahren ist eine der besten Lösungen, die wir bereits haben, um sicherzustellen, dass unser Planet für alle kommenden Generationen bewohnbar ist.

 


https://rheinberg-oberberg.adfc.de/neuigkeit/offener-brief-zur-weltklimakonferenz

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 190.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.

    Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen. Lesen Sie in unserem Grundsatzprogramm mehr über die Ziele und Forderungen des ADFC – und werden Sie Mitglied in der weltweit größten Zweiradgemeinschaft.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluss auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrenden ein.

    Für Sie hat die ADFC-Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können, egal wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Radwelt Informationen zu allem, was Sie als Rad fahrenden Menschen politisch, technisch und im Alltag bewegt. Nutzen Sie als ADFC-Mitglied außerdem vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied? Hier gelangen Sie zum Anmeldeformular.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen? Und was ist ein Radweg?

    Die Infrastruktur für das Fahrrad nicht einheitlich und selten uneingeschränkt gut nutzbar. Radfahrstreifen und Schutzstreifen verlaufen beide auf der Fahrbahn und damit im direkten Blickfeld von Autofahrenden. Schutzstreifen haben eine gestrichelte Markierung und dürfen daher mit dem Auto befahren werden. Radfahrstreifen hingegen sind mit einer Linie durchgängig auf der Fahrbahn markiert und dürfen von Autofahrenden nicht befahren werden. Der ADFC macht sich für geschützte Radfahrstreifen stark, bei denen Poller, Kübel und markierte Schutzzonen Radfahrende vor dem Autoverkehr, achtlos aufgerissenen Autotüren und unerlaubten Parken schützen.

    Ein Radweg ist durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet und muss in dem Fall von den Radfahrenden genutzt werden. Eine Benutzungspflicht darf aber nur angeordnet werden, wenn es die Verkehrssicherheit erforderlich macht. Behindern Blätter, Schnee oder andere Hindernisse Radfahrende auf Radwegen, dürfen sie auf die Fahrbahn ausweichen. Mehr zur Infrastruktur für den Radverkehr erfahren Sie hier.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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